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Österreich: Lebensmittelerzeuger trotz Finanzkrise robust
Die Lebensmittelindustrie spürt nichts von Finanzkrise oder Konjunkturflaute. Beim OÖN-Branchentalk betonen die Chefs von vier Leitbetrieben, dass die Energie- und Rohstoffkosten weiter die größte Herausforderung seien.
5000 Beschäftigte erwirtschaften in den 40 größten oberösterreichischen Lebensmittelbetrieben 1,6 Milliarden Euro Umsatz. Bundesweit nimmt Oberösterreich damit den zweiten Platz ein. Die Finanzkrise kann den Unternehmen nicht viel anhaben. Die Umsätze steigen moderat.
„Wir sind wieder sexy für die Banken geworden“, sagt Andreas Pfahnl, geschäftsführender Gesellschafter des gleichnamigen Backmittelproduzenten. Die Branche zeichne sich durch kleinere Margen, aber konstantes Wachstum und Sicherheit aus. „Wir sind das letzte Glied in der Kette, wenn es um die Reduktion von Haushaltsausgaben geht“, sagt Horst Populorum, Geschäftsführer des Getränkeherstellers Spitz. Die heimische Industrie profitiere von der Regionalität und Qualität ihrer Produkte sowie der Innovationskraft.
Derzeit geben die Österreicher rund zwölf Prozent ihres Einkommens für Nahrung aus. Lebensmittel seien in den vergangenen Jahrzehnten relativ billiger geworden, sagt Markus Liebl, Vorstandsmitglied der Brau Union und Vorsitzender der Lebensmittelindustrie in der Wirtschaftskammer. Erst in jüngster Zeit habe es Preiserhöhungen für die Konsumenten gegeben. „Die Energie ist Preistreiber für alles andere“, sagt Liebl. Die Österreicher seien bereit, für hohe Qualität zu bezahlen. Kontrollen zur Sicherung der Qualität machen die Produkte auch teurer.
Große Preisschwankungen
Die Betriebe beklagen die stark gestiegenen Kosten für Rohstoffe, Energie, Verpackung und Transport. Einweg-Glasflaschen wurden um 15 Prozent teurer. Die Getreidepreise verdoppelten sich 2007 teilweise, wegen Missernten, hoher Nachfrage und Spekulation. Derzeit seien die Rohstoff- und Energiepreise volatil (schwankend, Anm.), sagt Walter Dorninger, Geschäftsführer des Fleischbetriebes Landhof: „Die Unplanbarkeit bei den Verträgen ist die große Herausforderung.“ Darin stimmten ihm die anderen drei Diskutanten zu.
Wird der Konsument weniger bezahlen, wenn die Energie- und Rohstoffkosten wieder sinken (was sie derzeit tun)? „Ja, es könnte auch wieder niedrigere Preise geben“, sagt Liebl. Er glaubt aber nicht daran, weil die Nachfrage weltweit steige. „Man muss die Gesamtkosten berücksichtigen“, sagt Pfahnl. Er spricht besonders die hohe Lkw-Maut an, die den Transport teurer mache. Außerdem seien österreichische Bauern gar nicht in der Lage, billiger zu produzieren. Populorum glaubt, dass der Ölpreis nie mehr auf das Niveau von 20 Dollar fallen werde.
Vom Staat erwarten sich die Firmenchefs mehr Wasserkraft. „Wir sind von der Leipziger Strombörse abhängig“, sagt Liebl. Strom werde trotz (oder wegen) der Vorherrschaft von staatsnahen Betrieben um 30 Prozent teurer, die Lebensmittelindustrie sei elektrizitätsintensiv. Die steigenden Lohnnebenkosten sollen mit einer Steuerreform entschärft werden. Liebl kritisiert besonders die Biersteuer.
Wieder mehr Lehrlinge
„Es bleibt schwierig, geeignete Facharbeiter zu finden“, sagt Dorninger. Landhof könne jederzeit Mitarbeiter einstellen. Die Unternehmer betonen aber, dass sich die Lehrlingssituation verbessert habe. Aktionen von Wirtschaftskammer und AMS und die neuen, moderneren Berufsbegriffe attraktivieren die Berufe. In den Mühlen werden „Verarbeitungstechniker“, bei Spitz und Brau Union „Brauerei- und Getränketechniker“ gesucht. Heuer bildet die oberösterreichische Industrie 5000 Lehrlinge aus, nach 4700 im Vorjahr.
Der Exportanteil der österreichischen Nahrungsindustrie ist in den vergangenen 13 Jahren von unter 20 auf 60 Prozent gestiegen, besonders nach Osteuropa.
geschrieben am 10.11.2008 um 06:29.
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