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Einwegflaschen auf dem Vormarsch
Ökologisch, ökonomisch, pädagogisch: Das Pfand auf Einwegbehälter für Getränke hat hehre Ziele. Doch die Dosenpfand-Rechnung scheint nicht aufgegangen zu sein. Laut Marktforschung ist Einweg in, Mehrweg out. Die Regierung sieht das ganz anders.
Immer weniger Verbraucher greifen in Deutschland zu Mehrwegflaschen. Der Anteil sank bei alkoholfreien Getränken im ersten Halbjahr 2008 auf 27,2 Prozent, wie das Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK am Montag berichtete. Das waren 2,6 Punkte weniger als im Gesamtjahr 2007. Vor der Einführung des Dosenpfandes im Jahr 2003 lag der Anteil noch bei 51,5 Prozent.
Regierung warnt vor schnellen Schlüssen
Die Bundesregierung warnte aber vor schnellen Schlüssen aus den neuen Zahlen. Eigentlich sollte das Pfand auf Dosen und andere Einwegverpackungen die Mehrwegquote auf Dauer deutlich erhöhen. Mittlerweile sind aber Einwegflaschen aus Plastik mit einem Anteil von 63 Prozent die mit Abstand meist genutzte Verpackungsart bei alkoholfreien Getränken.
Danach folgen laut GfK-Berechnungen Plastik-Mehrweg mit 13,7 Prozent und Glas-Mehrweg mit 13,5 Prozent. Glas-Einweg, Kartons und Dosen spielen nur eine untergeordnete Rolle. Trotz der Zahlen sieht die Bundesregierung das im Jahr 2003 eingeführte Dosenpfand als Erfolg. "Zu behaupten, dass das Dosenpfand gescheitert ist, ist Quatsch", sagte der Sprecher des Umweltministeriums, Thomas Hagbeck, in Berlin.
Die Zahlen seien so nicht richtig und nicht stichhaltig. Ohne Dosenpfand wäre das Mehrwegsystem längst zusammengebrochen. Die Mehrwegquote sei stabilisiert worden. "Das Einwegpfand hat positive Wirkung", betonte der Sprecher von Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD).
Ministerium zweifelt an Zahlen
Ziel des Dosenpfandes war auch, Müll in der Natur zu verringern. Hagbeck sagte, es gebe keine Zahlen dazu, ob das Einwegpfand die Verschmutzung der Landschaft verringert habe. Diese Aussage beruhe auf "Augenschein" und Einschätzungen von Stadtreinigungen. Nach Angaben des Ministeriums werden Zahlen von 2007 zum Einwegpfand erst im kommenden Jahr vorliegen.
Das Ministerium argumentierte, dass die zitierten Zahlen der GfK die Bereiche Wasser, Limonade und Fruchtsäfte beträfen. Auf Fruchtsäfte wird aber kein Pflichtpfand erhoben, so dass sich ohne diese Getränke der Mehrweganteil erhöht. "Aus der Entwicklung bei unbepfandeten Getränken Rückschlüsse auf den angeblichen Misserfolg der Pfandregelung zu ziehen, ist unseriös", erklärte Hagbeck. Bei Wasser und Limonade lag demnach der Anteil von Mehrweggetränkeverpackungen im Jahr 2006 durchschnittlich bei rund 46 Prozent.
Umwelthilfe für Einwegsteuer
Angesichts der niedrigen Mehrwegquote forderte die Deutsche Umwelthilfe die Einführung einer Einwegsteuer von 20 Cent pro Plastikflasche. Die Verpackungsverordnung schreibe eine Quote von 80 Prozent ökologisch vorteilhaft verpackter Getränke vor. "Diese Marke ist weit unterschritten. Bundesumweltminister Gabriel darf diese Entwicklung nicht einfach aussitzen", erklärte Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.
Nach Einschätzung des Verbandes hat sich das Einwegpfand aber bewährt. Dass immer mehr Einwegflaschen im Handel verkauft werden, führten GfK und Umwelthilfe auf den großen Umsatz der Discounter zurück, die vor allem Einwegverpackungen verkaufen. Sie wollen so Kosten für Personal sparen und nutzen die Geschäftsräume lieber, um mehr Produkte anzubieten. Im Gegensatz zu Mehrwegbehältern werden Einwegflaschen oft im Supermarkt zerquetscht und sparen damit Platz.
geschrieben am 20.08.2008 um 05:43.
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